Blog 2
1. 1. Ganz spontan – gab es bei der Durchführung des Rollenspiels ein ‘Aha-Erlebnis’?
Beim Rollenspiel ‘Veloweg’ fällt mir kein konkretes ‘AHA-Erlebnis’
ein.
Eine Woche zuvor, beim Rollenspiel der Medikamentenfirma, habe ich aber einige
Erkenntnisse mitgenommen, die ich nun hier beschreibe:
Das (geheime) Bewertungssystem der verschiedenen Anliegen der beiden Parteien, hat dieses Konfliktgespräch für mich interessant gemacht. Wenn es mehrere Diskussionspunkte gibt, ist es oft so, dass die Parteien diese unterschiedlich gewichten. In einer Verhandlung geht man am besten alle Themen einmal durch und evaluiert die Ziele und Prioritäten der Verhandlungspartner.
In unserem Fall haben beide Parteien nicht sehr offen miteinander kommuniziert, was die wichtigsten Prioritäten sind. Beide Parteien versuchten ein wenig zu pokern, um das für sie beste Ergebnis auszuhandeln. Wir haben dann einen Kompromiss gefunden, bei dem wir direkt nach der Verhandlung beide zufrieden waren.
Bei der Auswertung im Plenum, ist mir aber aufgefallen, dass für beide
Parteien zusammen noch viel zu erreichen gewesen wäre. Wenn wir offener
miteinander diskutiert hätten, dann wären wir wahrscheinlich zu einem, für
beide, besseren Resultat gekommen.
Diese Erkenntnis kann natürlich nicht so für jeden Fall übernommen werden. Verhandlungen
in der Realität sind um einiges komplexer. Doch auch da, wäre ein «offenes
diskutieren» mal ein Versuch wert.
2. Was
haben Sie in der Rolle der Mediatorin/des
Mediators gut gemacht? Aufgrund
dieser
Erfahrung – auf
was werden Sie bei der Vorbereitung eines Konfliktgesprächs in Zukunft
besonders achten?
Die Phase eins und zwei sind wir im Eildurchlauf durchgegangen, damit wir für die Phase drei, die «Interessenfindung» mehr Zeit hatten.
In der ersten Runde hat Anna die Mediation geleitet. Sie hatte die Konfliktparteien gut im Griff und hat das Gespräch unterbrochen, falls es zu unseriös wurde. Sie hat versucht den Interessen der Konfliktparteien auf den Grund zu gehen und immer wieder nachgefragt, falls etwas nicht ganz klar war. Zudem hat sie die Interessen auf einem Flipchart festgehalten.
In der zweiten Runde hatte ich die Rolle des Mediators inne. Wie Anna, habe ich versucht den Interessen auf den Grund zu gehen. Während die Konfliktparteien sprachen, versuchte ich mit einfachen Zeichnungen, die Interessen zu visualisieren. Ich glaube, dies ist ein gutes Mittel, um ein Überblick in der Diskussion zu erlangen. Es dauert länger aufgeschriebenes zu lesen, als Zeichnungen zu erkennen.
Als abschliessende Aufgabe vor der
Phase vier, habe ich die Konfliktparteien gebeten, die Argumente des Gegenübers
auszusprechen, um sicherzugehen, dass sie einander zugehört und verstanden haben
(auch wenn sie nicht einverstanden sind mit dem gesagten).
Als der Vertreter des Quartiers angefangen hat, in seiner Zusammenfassung zu werten,
habe ich in unterbrochen. Ansonsten funktionierte diese Übung nicht schlecht,
meiner Meinung nach.
3. Notieren Sie hier ganz kurz eine Konfliktsituation,
welche Sie erlebt haben. Stellen sie sich
vor, dass Sie dazu eine
Mediation machen würden. Wie würden Sie sich darauf vorbereiten?
Können Sie Ihre eigenen Interessen und
diejenigen der ‘Konfliktpartei’ benennen
Mir fällt keine Konfliktsituation ein, die
nicht zu privat ist, die ich selbst schon erlebt habe. Aus diesem Grund ist
folgende Konfliktsituation kein wahres Erlebnis, sondern frei erfunden. Oder einfach ein bisschen überspitzt dargestellt ;)
Konfliktsituation:
Mein Mitbewohner streicht zuerst Butter auf sein Nutella-Brot, was mich extrem stört und die Möglichkeit eines Auszugs aus der Wohnung in Betracht ziehen lässt. Für mich ist die Kombination von Nutella und Butter auf einem Brot visuell einfach nicht ansprechend. Ich schätze die ästhetische Harmonie beim Essen und der Anblick von zwei so unterschiedlichen Texturen und Farben auf einem Brot löst bei mir automatisch den Würgereflex aus.
Meine Interessen:
- Der pure Geschmack von Nutella ohne die Zugabe von Butter.
- Die Beibehaltung meiner individuellen Essgewohnheiten und Vorlieben.
- Die Aufrechterhaltung einer harmonischen Wohnatmosphäre.
- Weniger Würgereflexe durch das Betrachten von Nutella-Butter-Broten.
Konfliktpartei Interessen:
- Die Freiheit, das Nutella-Brot nach eigenen Vorlieben zuzubereiten.
- Die Vermeidung eines Auszugs meinerseits aus der Wohnung.
- Die Gewährleistung eines respektvollen Miteinanders trotz unterschiedlicher Zubereitungsmethoden.
Vorbereitung zur Mediation:
- Klärung der eigenen Interessen: Ich würde meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche in Bezug auf die Zubereitung der Nutella-Brote genau analysieren und verstehen. Hierbei geht es um geschmackliche Vorlieben, individuelle Essgewohnheiten und persönliche Bedürfnisse.
- Offene Kommunikation: Eine offene und respektvolle Kommunikation mit meinem Mitbewohner ist der Schlüssel zur Konfliktlösung. Ich würde meine Bedenken und Gründe für mein Unwohlsein in Bezug auf die Butter auf dem Nutella-Brot klar und verständlich erklären. Gleichzeitig wäre es wichtig, meinem Mitbewohner zuzuhören und seine Perspektive zu verstehen.
- Suche nach Kompromissen: In der Mediation würde ich vorschlagen, gemeinsam nach Kompromissen zu suchen, die die Bedürfnisse beider Parteien berücksichtigen. Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, dass jeder sein Nutella-Brot nach eigenen Vorlieben zubereitet, solange Rücksicht auf den Geruch und die Präferenzen des anderen genommen wird.
- Betonung von Respekt und Verständnis: Während der Mediation würde ich darauf hinweisen, wie wichtig gegenseitiger Respekt und Verständnis für die unterschiedlichen Vorlieben und Bedürfnisse sind. Es ist entscheidend, dass beide Parteien Raum haben, ihre individuellen Geschmäcker und Gewohnheiten auszuleben, ohne dabei die Harmonie in der gemeinsamen Wohnung zu gefährden.
Durch eine gründliche Vorbereitung zur Mediation, offene Kommunikation und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen, können mein Mitbewohner und ich hoffentlich eine Lösung finden, die es uns ermöglicht, friedlich und respektvoll in unserer Wohnung zusammenzuleben, selbst wenn es um die Zubereitung von Nutella-Broten geht. Es ist wichtig zu erkennen, dass Konflikte oft durch die Bereitschaft zur Verständigung und zur Suche nach gemeinsamen Lösungen gelöst werden können.
Lieber Pascal, vielen Dank für diesen ganz neuen Blick aufs Nutella Brot. Als überzeugte Butte-Nutella Brotstreicherin könnte ich hier gut den Gegenpart übernehmen. Meine Interesse dabei vor allem meine freien Geschmacksäusserung. Aber ernsthaft - Du als Partei hättest hier Mühe, eine Mediation zu leiten. Allerdings macht es auch für ein Konfliktgespräch Sinn, dieses entsprechend vorzubereiten, neugierig nachzufragen und vielleicht auch eine gewisse Struktur in ein solches Gespräch zu bringen. Aus der Rolle der Partei ist dies einfach etwas anspruchsvoller, da man sich dann als Gegenüber vielleicht etwas gar bevormundet vor kommt.
AntwortenLöschenSuper finde ich, dass du die Gegenparteien ihre Argumente wechseln liest. Ich denke, dass dieses Vorgehen nicht in jedem Fall so akzeptiert würde, aber wenn man sich darauf einlässt, sehr gewinnbringend ist. Finde ich spannend! Danke!
Liebe Grüsse
Petra
Hallo Pascal,
AntwortenLöschenfür mich war es sehr spannend deinen Blog zu lesen, da du auf viele Sachen eingegangen bist, die bei einer Mediation wichtig sind. Besonders gut gefallen hat mir, wie du deine Vorbereitungsschritte für die Mediation am Schluss beschreibst. Ich werde diese vier Punkte auf jeden Fall in meine nächsten Mediation mitnehmen und auch versuchen im Alltag zu beachten.
Liebe Grüsse,
Anna
Hoi Pascal
AntwortenLöschenToller Blog-Eintrag! Auch ich gehöre eher (wie Petra) zu der Gegenseite und wenn es mal wieder Nutella gibt, dann mit Butter:)
Zu unserer Mediation: Ich fand, du hast die Rolle als Mediator sehr gut dargestellt und ich war überrascht von deiner spontanen Aktion mit dem Rollenwechsel bzw. das Hineinversetzen in die andere Position. Ich kann mir vorstellen, dass die (je nach Situation und emotionaler Aufladung) auch nicht so gut ankommen könnte. Ich versuchte deshalb (wie du gemerkt hast) etwas genervt und mit wertenden Kommentaren die andere Sichtweise darzustellen. Ich fand es aber eine gute Idee!
Liebe Grüsse
Jascha